SUOR ANGELICA. Puccini

MUSIKALISCHE LEITUNG Will Humburg
BÜHNEDieter Richter
KOSTÜMJulia Rösler
DRAMATURGIEMichael Dißmeier
CHORAndrew Ollivant
ORCHESTERGürzenich Orchester Köln
MIT:Jaquelyn Wagner
Dalia Schaechter
Romina Boscolo
Machiko Obata
Andrea Andonian
Gloria Rehm
Carla Hussong
Mara Wryk
Aoife Miskelly
Ruth Volpert
Eva-Maria Bauchmüller
Mariola Mainka
Fotos: Bernd Uhlig

„Uneingeschränkt fantastisch gelingt jedoch das schwierige Mittelstück „Suor Angelica“. (…) Eva Maria Höckmayr entwickelt daraus die packende Studie einer Seelenverwirrung durch soziale Kälte. Sie schiebt mit großem handwerklichem Geschick Vorgeschichte, Klosteralltag und eigentliches Geschehen ineinander, gibt also eine stringente Handlung auf zugunsten deutlicher Charakterbilder und starker Stimmungen. Dabei bleibt die Regisseurin stets analytisch und denunziert ihre Figuren nicht. Die kühle Tante, die Angelica die Todesnachricht wie nebenbei überbringt und daher oft eindimensional böse dargestellt wird, wird zu einer erstaunlich vielschichtigen Figur. Der Umgang der Schwestern untereinander zu einem gestochen scharfen, paradigmatischen Abbild einer Sozialgemeinschaft. So muss Oper heute sein!“

AKT. Kölner Theaterzeitung, Andreas Falentin, Juni 2013

„Die historische Tiefenschicht der eindrucksvollen Kölner Produktion hat einen zivilisationskritischen Drive, der sich im oft vernachlässigten Mittelstück ‚Schwester Angelica’ zu einem bösen, an Michael Hanekes Film erinnernden Sittenbild verdichtet. Eva-Maria Höckmayr deutet das Schicksal der armen Frau, die im Kloster die ‚Schuld‘ ihres unehelichen Kindes büßen muss und zuletzt vom Himmel selbst erlöst wird, als Defekt einer auf schlimme Weise religiös infiltrierten Gesellschaft. Angelica, die streng katholisch erzogene Bürgertochter und Waise, wird von den Dämonen der Marienfrömmigkeit und Sexualität heimgesucht (…) – ein packender Ansatz, der nichts an Schärfe verliert noch an Innigkeit.“

OPERNWELT, Michael Struck-Schloen, Juli 2013

“ Eva-Maria Höckmayr deutet das Libretto, das ja eindeutig ein strenges Frauenkloster im 17. Jahrhundert vorsieht, radikal um. Schwester Angelika ist bei ihr keine Nonne. Sie ist eine verachtete Waise einer großbürgerlichen Familie.(…). Eine eindringliche psychopathologische Interpretation.“

Deutschlandradio, Christoph Schmitz, 11.5.2013

In der Ausweichstätte am Dom gelingt mit Puccinis „Il Trittico“ der große Wurf „Eva-Maria Höckmayr setzt bei ‚Suor Angelica‘ auf Surreales: Der Spielort ist eine großbürgerliche Villa, in der sich Angelica als ausgegrenztes Waisenkind in religiösen Wahn hineinsteigert. Das Konzept wirkt übercodiert, fasziniert jedoch durch emotionale Bilder und eine anschauliche Umdeutung klösterlicher in familiäre Grausamkeit, verkörpert durch die Figur der Fürstin.“

Kultur.WEST, Regine Müller, Juni 2013

„Frauenpower kombiniert mit zwei Herren schafft einen rundherum beglückenden Theaterabend (…) Eva Maria Höckmayr gelingt es, die eher handlungsarme Oper mit einem Hang zur Rührseligkeit durch starke Bilder ganz lebendig und eindrücklich auf die Bühne zu bringen. Julia Rösler kontrastiert das reale Klosterleben mit den unten in der Keller-Hölle angekommenen gefallenen Nonnen im tollen roten Habit, die ein schicker Beelzebub verführt hat. (…)Die verzeihende Gottesmutter und die unerbittliche Fürstin tragen dasselbe Kostüm und symbolisieren zwei Seiten einer Frau. Bei so kräftigen Bildern kommt das kitschige Ende gerade recht!“

Theater PUR, Thomas Hilgemeier, Mai 2013

„Höckmayr unterstreicht die bigotten Züge der Adels- und Klosterwelten, die Seele und Körper der ‚Schwester Angelica‘ zerstören. (…) Stimmlich hinreißend, szenisch ergreifend ohne jeden sentimentalen Ansatz, kongenial zu Humburgs Dirigat. (…) Begeisterter Beifall für eine rundum gelungene Wiederbegegnung mit einem der interessantesten Werke Puccinis und des frühen 20. Jahrhunderts.“

Osnabrücker Zeitung, Pedro Obiera 12. Mai 2013

„Manchmal ist das Leben mehr als Mathematik. Nämlich beispielsweise dann, wenn das Gesamtkunstwerk mehr ergibt als die Summe seiner Einzelteile.“

Opernnetz, 10.3.2013, Michael S. Zerban