DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL. Mozart

MUSIKALISCHE LEITUNG Dirk Kaftan
BÜHNEJulia Rösler & Esther Dandani
KOSTÜMJulia Rösler
DRAMATURGIEMark Schachtsiek & Bernd Krispin
CHORBernhard Schneider
VIDEOAlbert Meisl, Georg Geutebrück, Nooran Talebi
LICHTSeverin Mahrer
MIT:Sophia Brommer
Cathrin Lange
Mirko Roschkowski
Taylan Reinhard
Manuel von Senden
Peter Kellner
Martin Dvorak
Fotos: Werner Kmetitsch PHOTOWERK

„Für ihre Produktion an der Grazer Oper (…) borgt sich Höckmayr Elemente aus dem tiefen­psychologisch durchtränkten Wiener Fin de Siècle, vor allem aus Schnitzlers ‚Traumnovelle‘. Wie in dieser geht es auch hier um Traum und Verdrängung, um den trügerischen Schein versäumter erotischer Möglichkeiten.(…) Der Abend entwickelt sich zur tiefenpsychologischen Nabelschau Konstanzes und Belmontes mit Zitaten vor allem aus Hofmannsthals Erzählungen nach 1001 Nacht (…): Sie werden rezitiert und Elena, der kleinen Tochter des Paares, vorgelesen, oder sie finden sich als szenische Visionen umgesetzt. (…) Höhepunkt ist Konstanzes von extremer Zerrissenheit gezeichnete «Martern»-Arie; Sophia Brommer zwingt Musik und Szene grandios in eins.(…) ein Abend voll kluger Ideen und mit hohem ästhetischem Anspruch.“

Opernwelt, Gerhard Persché, Juni 2016

„Wo beginnt Untreue? Erst bei einem Kuss oder schon bei einem Gedanken? Diese Grundüberlegung stellt Eva-Maria Höckmayr ihrer Inszenierung von Wolfgang Amadeus Mozarts Oper Die Entführung aus dem Serail als Leitfrage voran (…). Da diesem Ansatz weder mit einer Orient-Kitsch-Optik noch mit den originalen Dialogen beigekommen werden kann, wählte die Regisseurin gleich einen ganz anderen Weg und schuf eine neue Dialogfassung(…). Großteils harmonierte die Dialogfassung ausgezeichnet mit der Musik und der gesungenen Handlung (…). (…) auch wohlbekannte musikalische Passagen {erschienen} in völlig neuem Licht – etwa, wenn Konstanze von ‚Martern aller Arten‘ singt und dabei eher die Folter, die sie sich durch die Unterdrückung ihrer eigenen Sehnsüchte antut, zu verklanglichen schien, als reale Bedrohungen.“

Bachtrack, Isabella Steppan, April 16

„Die deutsche Regisseurin Eva-Maria Höckmayr entkernte Mozarts orientalisches Erfolgstück zu Szenen einer Ehe. Quasi von der Bettkante aus entwirft Höckmayr in der Folge ein psychologisches Kammerspiel, das vom Suchen und Finden erzählt, nur halt von Liebenden ganz anders auf der Flucht und weit abseits vom Palast des Bassa Selim (…). Ja, das ist zwischendurch gar viel auf einmal. Und dennoch gelingt der sehr in und mit der Musik inszenierenden deutschen Regisseurin eine nicht durchgehend sinnfällige, aber immer sinnliche Deutung des Mozart’schen Singspiels und darüber hinaus eine dichte Allegorie auf die Liebe und ihre tausendundeine Macht.“

Kleine Zeitung, Michael Tschida, 22.April 2016

„Das Thema aus ‚Die Entführung aus dem Serail‘ ist so zeitlos wie nie: Was ist Betrug in einer Beziehung? Wie weit geht die Treue? Wie gehen Mann und Frau mit der Versuchung um? Diese und andere Grundfragen plagen Belmonte und Konstanze, das im Mittelpunkt des Stücks stehende Paar. Sie begeben sich dabei auf eine Reise ins Unterbewusstsein, welches zwischen Realität und Phantasie nicht mehr klar zu differenzieren scheint (…). Die äußere Handlung wurde bewusst reduziert, um besonderes Augenmerk auf den psychologische Kern von Mozarts Musik zu legen.“

Blog24, Marlene Olga, April 2016

„Die Inszenierung übernahm Eva-Maria Höckmayr. Sie verhilft altbekannten Opernhandlungen zu überraschender Wirkung, indem sie konsequent dem subjektiven Blick einzelner Figuren auf ihre Geschichte folgt. Es war für mich als Zuschauer interessant, immer wieder bildlich über die Gedanken der jeweiligen Rollen Einblick zu bekommen.“

MeinBezirk, Margarete Rinnhofer, April 2016